Milster kann auch Day

Als kleiner schwuler Junge in einer fränkischen Kleinstadt habe ich immer mit meiner Oma zusammen Musik gehört und Fern gesehen. Da bleibt es, wenn alles nach Klischee verläuft, nicht aus, dass man Omas Bewunderung für die grandiose Angelika Milster übernimmt. Mich hat ihre Stimme schon immer fasziniert. Erst Jahre später nahm ich sie auch als Schauspielerin wahr. Es ist zu einem nicht gerade kleinen Teil ihr Verdienst, dass Kerkelings „Club Las Piranjas“ einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist. Aber das nur am Rande.

Ich hatte Gerüchte gehört, dass sie nicht mehr auftritt und umso mehr freute ich mich darüber auf berlin-buehnen.de eine Anzeige für „Doris Day. Day by Day“ mit ihr in der Hauptrolle zu sehen. Gerüchte sind eben nur Gerüchte!

Das im September 2016 uraufgeführte Stück von Rainer Lewandowski beschäftigt sich hauptsächlich und sehr eingehend mit den Anfängen der mehrfachen Preisträgerin des „Sour Apple“ für besonders unkooperative Zusammenarbeit mit der Presse. Doris Day! Damit es dem Publikum leichter fallen sollte die Milster als junges Mädchen um die 20 anzunehmen, beginnt das Musical mit der betagten Doris Day, die in der „Doris Day Animal League“ in Carmel-by-the-sea eine Horde von Touristen und Journalisten begrüßt und sich widerwillig den Fragen stellt.

Im ersten Akt werden ihre Blütejahre im Rampenlicht, die von mehreren Ehemännern, Vergewaltigung und Bevormundung begleitet wurden, erzählt. Einer ihrer Kernsätze, der auch im Programmheft abgedruckt ist, lautet: „Wissen Sie, zu heiraten ist wie telefonieren. Wenn man nicht richtig gewählt hat, ist man falsch verbunden.“ Der zweite Akt wischt mit Medleys über die Zeit nach der Kamera nur noch im Eilflug hinweg. Man vermisst hier die Detailarbeit aus dem ersten Akt.

Das Ensemble des Stücks besteht lediglich aus 4 SchauspielerInnen: Angelika Milster, Nini Stadlmann, Sascha Rotermund und Marco Billep. Milster blieb als einzige konstant in ihrer Rolle. Der Rest bot gefühlt alle 5 Minuten ein bewundernswertes Zeugnis der Wandlungsfähigkeit. Sie hatten bis zu 7 Rollen zu spielen.

Leider konnte stimmlich keiner auf der Bühne der Hauptdarstellerin auch nur annähernd das Wasser reichen. Jeder ihrer Töne saß und man hätte jede einzelne Silbe aufzeichnen und für die Ewigkeit konservieren können. Es wäre ein grandioses Zeugnis ihres Genius. Manchmal hoffte man sogar, dass die anderen endlich aufhören dazwischen zu „quaken“ und das obwohl sie selbst ausgezeichnet singen konnten.

Ein besonderes Highlight war allerdings der Auftritt von Nini Stadlmann als die Andrews-Sisters. Mit überschäumender Energie und zwei lebensgroßen Pappfiguren in den Händen, schaffte sie stimmlich die Illusion von 3 Sängerinnen auf die Bühne zu bringen. Ein Bravourstück allererster Güte!

Es war ein herrlicher Abend an dem ich mir einen kleinen Traum erfüllen konnte: Ein Mal Angelika Milster auf der Bühne erleben!

2017! Du gefällst mir schon jetzt!

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