London is Calling! – Teil 10

Ich bin also schon länger wieder zu Hause!

Es war eine tolle Reise nach London, ich habe viel gesehen und viel gelernt. Es ist eine grandiose Stadt, aber ich bin froh wieder zu Hause in Hamburg zu sein. London ist unvorstellbar laut! Das hat mich so überwältigt, dass ich am Tag des Rückflugs morgens im Hotel geblieben bin und von dort aus dann zum Flughafen gefahren bin, obwohl noch Zeit für einen kleinen Ausflug gewesen wäre.

Insgesamt habe ich festgestellt, dass zwischen Hamburg und London massive Unterschiede bestehen.

In Hamburg ignoriert man als Fußgänger oft Ampeln, während Fußgänger in London sogar Autos ignorieren. Sie sehen nur kurz von ihrem Smartphone hoch und stellen sicher, dass es nicht vollkommen unmöglich ist den Gang über die Straße zu überleben. Sobald es nur ein roter Busse ist, der herbei rast, wird die Situation als ungefährlich eingeschätzt, die Aufmerksamkeit wieder auf das Smartphone gerichtet und die Straße überquert. 5 Minuten Beobachtung einer Straßenkreuzung in London garantiert mehr Nervenkitzel als ein Thriller von Stephen King.

Kinder gehen unter der Woche bereits Wochen vor Halloween ohne erwachsene Begleitung spät Abends als Geister verkleidet durch U-Bahnen und fragen nach Süßigkeiten. Als gelernter Pädagoge stellen sich mir bei dem Anblick die Nackenhaare auf. Im Besonderen fand ich es doch sehr bedenklich zu sehen, dass 12-jährige Mädchen dabei Overknees, Röcke so breit wie Gürtel und löchrige Oberteile, die mehr zeigen als verdecken, tragen. Sowas sieht man in Hamburg zum Glück nur sehr selten und nicht an drei Abenden hintereinander.

Auch das Verhalten im Theater unterscheidet sich extrem von dem des Publikums in Deutschland. In London kommen bis 20 Minuten vor Ende der Vorstellung noch Nachzügler in den Theatersaal und nehmen lautstark ihre Plätze ein. Außerdem ist es vollkommen normal, dass man während der laufenden Show aufsteht, zur Bar geht und sich ein neues Getränk holt. Es wird laut kommentiert und generell hat man doch eher das Gefühl im Kino zu sein. Eigentlich mag ich es ja, wenn die Zuschauer auf das Geschehen auf der Bühne merklich reagieren, aber das war mir dann doch manchmal etwas viel.

Nun aber das, was mich am meisten erstaunt hat:

Als Fußgänger kommt man verhältnismäßig langsam vorwärts. Ich war auf das hamburgische Tempo eingestellt, das zeitweise wirklich hoch ist. In London musste ich mich allerdings drosseln. Das ist nicht unangenehm, aber doch überraschend. Wahrscheinlich liegt es an der Masse an Menschen, die sich in dieser Metropole bewegen und durch verschiedene Nadelöhre drängen.

Dieses langsame Gehtempo hat allerdings einen Vorteil: Man hat genug Zeit sich die extrem gut gekleideten Londoner Männer anzusehen. Man sieht in gewissen Bereichen der britischen Hauptstadt keinen einzigen billigen Anzug und wenn doch, dann kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das ein Tourist ist. Den meisten gut angezogenen Herren weht allerdings eine Parfümwolke hinterher, die einem die Luft raubt. Häufig stinkt es in den U-Bahn Stationen. Allerdings nicht wegen irgendwelcher Obdachloser oder weil irgendjemand sein Erbrochenes verteilt hat, sondern weil sich die verschiedenen Parfümwolken zu einem übel riechenden Geruchsmonster verdichten, das einem die Tränen in die Augen treibt. Wie heißt es so schön? Jede Medaille hat zwei Seiten! 😉

London ist auf jeden Fall eine Reise wert und das Theatergeschehen dort ist wirklich fantastisch, aber jetzt brauche ich doch wieder 3 Jahre um wieder Sehnsucht nach dieser Stadt zu haben.

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