Klamauk übelster Art an genau der richtigen Stelle und verdammt gut gemacht!

Tip: Wer „Die Königs vom Kiez“ im Schmidt Theater noch nicht gesehen hat, oder es nochmal sehen möchte, sollte sich beeilen. Die letzte Vorstellung geht am 4. September 2016 über die Bühne. Darauf folgt das Stück „Cindy Reller“ mit der Uraufführung am 15. September 2016. Wer mehr über das neue Stück am Schmidt Theater erfahren möchte, liest bitte entweder hier auf den Seiten vom Schmidt Tivoli oder hier im Blog „Alles ein Theater – von und mit Frank Wesner“ weiter.

Nun zu „Die Königs vom Kiez“: Ich habe sehr viele sehr unterschiedliche Stimmen zu diesem Stück gehört. „Es ist flach und man lässt es mehr oder weniger über sich ergehen.“  oder „Absolut genial und sehenswert!“ sind nur zwei der vielen Meinungen. Solche gegensätzlichen Aussagen lassen mich ja immer neugierig werden.

Ich buchte also für den 10.8. meine Karte und bemerkte hier, dass es bei Schmidts mittlerweile auch ohne Papier geht. Man hat die Möglichkeit sich das Ticket auf das Smartphone zu laden und ist damit nicht mehr vom guten Willen eines Druckers abhängig, der es drauf hat genau im richtigen Augenblick auch mal den Dienst zu verweigern. Es ist allerdings zu beachten, dass bei den Tickets für das Schmidt Theater nicht wie bei anderen Theatern ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr dabei ist. Bei den ansonsten aber sehr fairen Preisen, sind die paar Euro für Bus und Bahn jedoch zu verkraften.

Wieder ein Tip: Wenn man sich unsicher ist, ob einem der Platz, den man buchen möchte, am Ende auch zusagt, kann man sich den Theatersaal hier ansehen und sich davon überzeugen. (Die Sitze sind übrigens sehr bequem!)

Im Saal angekommen, wird man unter anderem von Angelika Milster und anderen Schlagergrößen aus den Lautsprechern begrüßt. Es herrscht eine entspannte und ausgelassene Stimmung, die durch sehr professionelles Personal, das die Besucher unentwegt mit Getränken versorgt und immer freundlich ist, unterstützt wird. Mir fällt allerdings auf, dass hier sehr wenig Trinkgeld gegeben wird und die Kellner und Kellnerinnen nicht immer mit dem ihnen gebührenden Respekt behandelt wurden. Das aber nur am Rande!

Die Uhr zeigt halb 8 und es wird die im Schmidt übliche Ansage gemacht: die Show beginnt in 20 Minuten, bis dahin ist es noch möglich Getränke zu bestellen oder Snacks zu kaufen; der erste Teil dauert etwa eine Stunde, darauf folgt eine etwa 25-minütige Pause, in der auch wieder kräftig getrunken werden kann. Dann folgt eine Überraschung, die nicht nur mich sehr erfreut. Corny Littmann, der Chef himself, wird an diesem Abend die Rolle des schrägen Familienoberhaupts, dem Käptn übernehmen. Es sollte also ein sehr, sehr lustiger Abend werden.

Zur Geschichte des Musicals schreibt das Schmidt Theater selbst:

Da hat das Schicksal einer Familie auf St. Pauli wohl einen derben Streich gespielt, als es ihr ausgerechnet den Nachnamen König schenkte. Denn Kasse und Kühlschrank der siebenköpfigen Schar sind permanent leer. Obwohl die vier Kinder Marie, Björn, Benny und Pamela alles – wirklich alles! – tun, um den Clan (inklusive der bettlägerigen Oma und des Babys der erst 15-jährigen Pamela) über die Runden zu bringen. Durchkreuzt werden die Bemühungen jedoch weniger von Gläubigern und Ämtern als vom eigenen Vater. Das daueralkoholisierte und allergisch auf ehrliche Arbeit reagierende Familienoberhaupt, von allen nur der Käptn genannt, wirft alles mühsam Erschuftete, was seine Sprösslinge zur Tür hereinbringen, mit vollen Händen wieder zum Fenster raus. Einzig die liebestolle, aber angegraute Nachbarin Berta kann den Käptn mit eindeutig zweideutigen Avancen kurzzeitig in Schach halten. Als dann noch eine Räumungsklage droht, scheint das Schicksal seine Späße endgültig zu weit zu treiben – aber: Der Kiez hält ja bekanntlich zusammen.

Quelle: www.tivoli.de

Der Stoff bietet so manches Konfliktpotenzial und das wird auch voll ausgeschöpft. Mit herrlichem Hang zu politisch unkorrekten Pointen und lauten zweideutigen und eindeutigen Witzen wird das Publikum vortrefflich unterhalten. Natürlich muss man sagen, dass das Stück nichts für zart besaitete Gemüter ist, aber Kultur ist eben sehr vielfältig und nicht alles ist für jeden gut. Im Zuschauerraum wird gejohlt und die Schauspieler zum nächsten noch schmutzigeren Witz getrieben. Auf der Bühne wird die Stimmung aufgefangen und mit gelacht. Es ist ein fröhliches und spaßiges Miteinander für das das Schmidt Theater geschätzt und geliebt wird. Es gibt keine bemerkbaren Grenzen zwischen Bühne und Publikum. Alle sind hier um einen schönen Abend zu haben.

Es gibt allerdings einen Punkt, der nicht ganz zum sonst so gelungenen Produkt „Die Königs vom Kiez“ passt: die Musik. Dass die Songs auf kompositorisch einfachstem Niveau gehalten sind, ist durchaus akzeptabel. Schließlich haben sie dadurch eine gewisse Ohrwurm-Qualität. Das Problem ist eher, dass das Playback unentwegt zu laut war und man dadurch den Gesang oft nur wahrnehmen konnte, die Texte aber nicht zu verstehen waren. Ein Problem, das leider viel zu viele Musicalproduktionen weltweit haben.

Am Ende der Vorstellung bedankt sich Corny Littmann bei seinen Mitarbeitern und weist auf einer sympathisch bescheidenen Art und Weise auf das sonstige Angebot von Schmidt hin. Als er dann die Besetzung des Abends vorstellt, tut er es mit hohem Respekt vor jedem Akteur.

Ich war begeistert und hatte sehr viel Spaß an diesem Abend und werde sicher wieder kommen um „Cindy Reller“ zu sehen.

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