Ein „Aufguss“ von Pointen

Boulevard-Theater ist immer etwas schwierig. Es kann funktionieren, wenn das Stück gut geschrieben ist und die Besetzung Ahnung von Timing hat und schauspielern kann. Im Fall von „Aufguss“ in der Komödie Hamburg aus der Feder und unter der Regie von René Heinersdorff war all dies „so lala“.

Das Stück dreht sich um Dieter (Hugo Egon Balder), der mit seiner Freundin Mary (Madeleine Niesche) ein Wellness-Wochende in einem Hotel verbringt. Er möchte sich eigentlich von ihr trennen und schlägt ihr vor, um ihr später den Abschied von ihm zu erleichtern, schwanger zu werden. Da er aber dazu nicht mehr in der Lage ist – später erfährt man, dass er eine Vasektomie hatte -, denkt er an eine Samenspende von Alain „The Brain“, einem Mathematikdozenten an der FernUni zu Hagen. Vorsorglich hat Dieter Alain (Max Claus) auch gleich zu diesem Wochenende eingeladen, damit er vor Ort gleich eine Samenspende abzugeben kann. Außerdem tauchen noch Lothar (René Heinersdorff) und Emelie (Jeanette Biedermann) auf. Er ist Chefarzt eines Kinderkrankenhauses und sie seine rechte Hand. Beide wollen vom erfolgreichen Waschmittelfabrikanten Dieter eine Geldspende für das neue Infusionszentrum.

Es prasselt im weiteren Verlauf in allen nur denkbaren Personenkonstellationen Pointen, weil der eine von der Geldspende und der andere über die Samenspende redet. Es kommt heraus, dass Emelie und Dieter und Mary und Alain ein Verhältnis miteinander haben und dann ist endlich Pause.

Ich hole mir einen Aperol Spritz und eine Laugenbrezel und hoffe darauf, dass die platten Witze mit etwas Alkohol leichter verdaulich sind. Außerdem hoffe ich auf eine unerwartete Wendung im zweiten Akt. Zurück im Theatersaal, in dem die Sitze genau so unbequem sind wie bei den Schwesterbühnen im Theater und Komödie am Kurfürstendamm, geht es weiter.

Man war also nun beim Abendessen und spricht nun in Alliterationen davon. Zu Anfang noch ganz witzig, aber als es dann in die dritte Runde damit geht, wird es anstrengend. Langsam lösen sich jetzt die Missverständnisse auf und es beginnt das „Bäumchen Wechsel Dich“. Am Ende verschwinden Alain und Emelie mit zweideutigen Eindeutigkeiten in die Sauna und Mary und Lothar fast nackt ins Dampfbad. Nur Dieter bleibt alleine und telefoniert mit Mama. Ich mag ja leichte Komödien, aber etwas Bodenhaftung des Niveaus sollte schon möglich sein.

Aus der Besetzung sticht extrem positiv Madeleine Niesche hervor, die als ausgebildete Schauspielerin mit einer professionellen Ausbildung und Erfahrungen im ernsten Fach es mühelos schaffte den Raum mit ihrem Spiel zu füllen. Auch Max Claus hinterließ einen guten Eindruck. Hugo Egon Balder und Jeanette Biedermann dagegen waren oftmals schlecht zu verstehen und ihr Spiel war manchmal von einer gewissen Behäbigkeit bestimmt.

Es war also ein eher durchwachsener, wenn nicht sogar enttäuschender Abend. Das überrascht mich sehr, wenn ich bedenke, dass mit dem Theater Kontraste im selben Haus viel mehr Qualität geliefert wird.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stefanie sagt:

    Hugo Egon Balder und Jeanette Biedermann im Doppel ist natürlich auch krass!

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