MUTTI macht das erstaunlich gut!

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Es war mein erster Besuch des Theater Kontraste. Ich war gespannt auf den Saal und vor allem auf die Qualität. Eine groteske Komödie, in der Schauspieler die aktuelle Regierungsmitglieder spielen, kann schnell zum peinlichen Klamauk werden, wie es das jährliche Singspiel auf dem Nockherberg immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt. Aber: Das Stück aus der Feder von Juli Zeh und Charlotte Roos ist voll von scharf gezeichneten Charakterstudien, Wortwitz und harten Seitenhieben auf die derzeitige Große Koalition. Es sind 2 Stunden gute Unterhaltung mit intelligenten Texten, vorgetragen von spielwütigen Schauspielern.

Deutschland steht im WM-Finale, doch in der Großen Koalition ist Krise. Also hat Vizekanzler Sigmar seine Chefin Angela sowie Ursula und Horst zur Gruppentherapie beordert. Unter Anleitung eines professionellen Beraters soll „Mutti“ in einer Familienaufstellung endlich lernen, dass sie nicht sämtliche Entscheidungen im Alleingang treffen kann. Während die Nationalelf in Brasilien um den Titel kämpft – von allen angespannt auf dem Smartphone verfolgt – kommt es daheim zum verbalen Schlagabtausch. Meinungsumfragen liefern live die wechselnden Beliebtheitswerte der Anwesenden. Besonders Angelas Europapolitik steht unter Beschuss, leidenschaftlicher soll sie werden. Längst aber ist die Kanzlerin ihren Gegnern schon wieder ein paar Schritte voraus und verfolgt eine ganz eigne Konter-Strategie.

MUTTI auf der Homepage des Winterthurer Fährhauses

So viel zum Inhalt. Besonders erwähnenswert ist die schauspielerische Leistung von Juliette Groß, die als Ursula von der Leyen brilliert. Gestik, Mimik und Sprachduktus der Verteidigungsministerin wurden von ihr gekonnt umgesetzt, ohne dass es aufgesetzt oder gar persifliert wirkt. Bei jedem Satz von „Ulla“ schmunzelte das Publikum und die wirklich groteske Ähnlichkeit von Schauspielerin und CDU-Politikerin wurde im Verlauf des Stückes immer faszinierender und komischer. Wahrlich meisterhaft!

Da an diesem Abend nur das Theater Kontraste – also der kleine Saal des Winterthuder Fährhauses – bespielt wurde, verloren sich die Zuschauer der fast ausverkauften Vorstellung im großen Foyer. Zudem wurde der Einlass erst unmittelbar vor Beginn der Vorstellung. An sich ja eigentlich kein Problem, aber manche der schon etwas betagteren Besucher waren etwas pikiert aufgrund dieser ungewohnten und unvorhergesehenen Situation. Als sich dann herausstellte, das wohl ein Platz versehentlich zwei Mal vergeben wurde, war das Augenverdrehen groß, obwohl die Situation schnell und professionell gelöst wurde.

Es war also ein interessanter und unterhaltsamer Theaterabend mit bemerkenswerten Randerscheinungen. Ich bin gespannt auf meinen nächsten Besuch im Theater Kontraste zur Vorstellung von „Hinter der Mauer ist das Glück!“ am 22. August.

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