Zwei Damen in den Rollen zweier Diven

Der Saal verdunkelt sich, der Vorhang gleitet zur Seite! Es werden zwei Garderoben sichtbar. In der linken sitzt Desirée Nick in perfektem Spagat auf dem Boden und macht Dehnübungen. Als sie mit den Fingern ihrer rechten Hand die Zehen ihres linken Fußes berührt, spendet das aus zugegeben überdurchschnittlich sehr betagten Senioren bestehende Publikum anerkennend Beifall. Hier befürchtete ich, dass es ein doch allzu seichtes Theatererlebnis werden könnte. Zum Glück hatte ich mich da getäuscht.

Das Stück „Bette & Joan“ von Anton Burge skizziert die Ereignisse eines Tages am Set des Films „What ever happened to Baby Jane?“ aus den 1960er Jahren mit den Schauspiellegenden Bette Davis und Joan Crawford. Man ist Zeuge der schwierigen Beziehung der beiden Diven zueinander, die von Eifersucht, tiefer Bewunderung und Unverständnis für das Leben der Anderen geprägt ist.

Während auf der Bühne die Damen ihre herzliche Hassliebe ausleben, werden im Hintergrund immer wieder Szenen aus dem Film „What ever happened to Baby Jane?“ eingespielt. Allerdings nicht das Original, sondern ein Remake einzelner Sequenzen mit Manon Straché und Désirée Nick in den Rollen von Bette Davis und Joan Crawford. Da stellt sich für mich die Frage, warum nicht Szenen aus dem originalen Film verwendet wurden. Wahrscheinlich hätte das der Inszenierung eine zu dokumentarische Wirkung verliehen. Andererseits wurden so die beiden Akteurinnen in ihren Rollen manifestiert.

Désirée Nick und Manon Straché sind quasi eine Idealbesetzung für dieses Stück. Nick als die sehr oberflächlich wirkende, immer um ihre psychische und physische Fassade bemühte Joan Crawford passt wie die Faust aufs Auge. Schließlich steht sie quasi nur als scharf kommentierende Kunstfigur in der Öffentlichkeit. Die ausgebildete Tänzerin und Schauspielerin hat das Aussehen und die vornehme Haltung, die es für die Crawford braucht. Straché dagegen ist eine durch und durch bodenständige Schauspielerin, die ihr Handwerk glänzend beherrscht. Ein Punkt in ihrem Lebenslauf, den sie mit Bette Davis teilt. Sie zeigt Momente der ehrlich empfundenen Verzweiflung und höhnischer Schadenfreude nur eine Wimpernschlag voneinander getrennt.

Jens Wawrczeck schreibt in seinem im Programmheft abgedruckten Artikel „Bette & Joan. So nah und doch so fern“:

Sieht man sich ‚Was geschah wirklich mit Baby Jane?‘ heute an, scheint zunächst Bette Davis den schauspielerischen Lorbeerkranz davonzutragen, so unerschrocken und raumgreifend spielt sie den trunksüchtigen Kinderstar. Aber für mich ist Joan Crawford der heimliche Star.

Dieses Zitat ist auf Nick und Straché als Bette und Joan übertragbar. Während Strachés Rolle ihr mehr Raum, mehr Lautstärke, aber auch mehr leise und tiefe Momente schenkt um zu beeindrucken, trägt Nick durch Mimik, große Gesten und Professionalität durch den Abend. Auch wenn sie neben der erdigen Straché manchmal etwas farblos wirkt, so ist dies doch von ihr so gewollt, weil es ihre Rolle verlangt und somit grandios.

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