So viel Glitzer, so viel Prunk und doch irgendwie langweilig!

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Nachdem ich so viel in den Zeitungen von den atemberaubenden Effekten bei Disney´s Aladdin gelesen habe, war es am 21. Februar an der Zeit mir das Stück selbst anzusehen. Um ehrlich zu sein ging ich mit gemischten Gefühlen ins Theater. Einerseits freute ich mich darauf mal wieder eine Disney-Produktion zu sehen. Disney steht für mich für leichte Musical-Kost mit tollen Kostümen und eingängiger Musik. Andererseits hatte ich schon bei der Ankündigung von „Aladdin“ als Nachfolger von „Das Phantom der Oper“ den Eindruck, dass hier die Wahl auf das Stück mit dem höchsten Erfolgsversprechen fiel und nicht auf das Stück, das dem deutschen Publikum eine andere Seite des Musicals zeigen sollte.

Beim Weg in das Theater ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen wie schlecht der Eingangsbereich der Neuen Flora in puncto Nichtraucherschutz ist. Am oberen Absatz der der langen Treppe zur Eingangstür ist die Raucherecke. Der Rauch wird dort durch Wände wie in einer Glocke festgehalten und gerade als ehemaliger Raucher fand ich es sehr unangenehm durch diesen blauen Dunst gehen zu müssen. Die Raucher selbst können hierfür nichts. Jedoch sollte das Theater für diesen Umstand wirklich langsam eine Lösung finden. Schließlich ist das der erste und der letzte Eindruck eines Gastes und das kann den Eindruck von einem Theaterabend ungünstig beeinflussen.

Das Publikum war an diesem Abend auffällig wenig durchmischt. Der Hauptteil war um die 30 und damit bei Erscheinen der Filmvorlage 1992 Teil der Zielgruppe. Außerdem war zu sehen, dass ein großer Teil der Zuschauer einen arabischen Hintergrund hatte. Auf diese Zielgruppe ist das Stück auch ausgelegt.

Bei Betreten des Saals hatte ich persönlich ein wenig Probleme den Vorhang in Verbindung mit dem Musical zu setzen. Da ich das Theater auch mit anderen Produktionen kenne, weiß ich, dass der Vorhang dem Design des Stücks angepasst wird. Hätte man mir jetzt aber eine Stoffprobe gezeigt und hätte mich raten lassen zu welchem Musical dieser Stoff gehört, wäre ich nicht auf „Aladdin“ gekommen. Die Ornamente erinnern eher an Indien oder eher an ein eine Art Hippie-Amerikanisches Setting wie es zum Beispiel in „Hair“ anzutreffen ist.

Das Stück beginnt, Enrico die Piero in der Rolle des Dschinni hat seinen ersten Auftritt und  stellt dem Publikum die Welt des Musicals vor. Mein erster Eindruck war „Technicolor!“ Für norddeutsche Augen war es bisweilen etwas anstrengend mit den kräftigen Farben umzugehen. Dennoch muss man sagen, dass die Kostüme wirklich begeisternd sind. So viel Glitzer und Prunk überall. Es war unmöglich alles im Detail zu betrachten. Das Bühnenbild stellte die Lehmbauten einer arabischen Stadt dar, die einen angenehmen optischen Gegenpol zu den bunten Kostümen boten. Alles eigentlich gute Voraussetzungen und ein guter Rahmen für das Geschehen.

In der ersten Szene der eigentlichen Geschichte wird der Taschendieb Aladdin über den Basar gejagt. Das Publikum ist bereit für eine rasante Verfolgung. Allerdings entspricht das Geschehen auf der Bühne nicht unbedingt dieser Erwartung. Aladdin und seine Verfolger liefen von einer Seite der Bühne auf die andere. Man hatte nie das Gefühl, dass das irgendwie aufregend ist und Aladdin tatsächlich kurz davor ist gefasst zu werden. Als Zuschauer stellte sich bei mir kein Stress ein und es war für mich unmöglich mitzufühlen. Außerdem störte, dass die Texte des auch im Film verwendeten Songs verändert wurden. Ich stolperte ständig über die altbekannten Textzeilen und war am Ende des Songs genervt. Warum müssen Texte für die Bühnenfassung geändert werden, wenn sie letztendlich die gleiche Aussage haben?

Der nächste Song auf dem Programm ist „Stolz auf deinen Sohn“. Ein Stück Musik, dass es leider nicht in den Film aber jetzt zum Glück ins Musical. Hier wendet sich Aladdin an seine verstorbene Mutter und verspricht ihr sich zu bessern. Richard-Salvador Wolff als Aladdin sang dieses Lied mit viel Gefühl und überzeugte mit seiner wunderbaren Stimme. Jedoch gab es keine Steigerung. In der Mitte des Songs sollte eine Steigerung der Lautstärke und damit auch der Intensität stattfinden. Dies wird leider nur durch eine Verdichtung des Arrangements hörbar. Sonst bleibt aber alles gleich. Damit auch dieser Sang wieder langweilig.

Dieser Ablauf wiederholt sich mehrmals bis zum Ende des Abends. Ein neuer Teil beginnt, man ist überrascht und manchmal auch begeistert vom Gezeigten. Wenn es dann aber an der Zeit ist eine Steigerung vorzunehmen, wird dies nicht getan und für den Zuschauer beginnt es beliebig und langweilig zu werden.

Zum Beispiel die Szene mit dem fliegenden Teppich: Bei Beginn des Songs „In meiner Welt“ ist man von der Technik begeistert und überrascht über die Umsetzung des Teppichflugs. In der Mitte des Songs stellte ich aber fest, dass der Teppich jetzt böse gesagt jeden Kubikzentimeter der Bühne abfliegt und am Ende wieder landet. Es war schau um diesen tollen Effekt!

Mein Fazit zu „Disney´s Aladdin“:

Es ist ein Musical, das eingefleischten Musical-Fans schnell als Touristenfalle vorkommt. Es gibt viele tolle Ideen, aber die Umsetzung ist leider nur halbherzig. Für einen entspannten Theaterabend ohne viel Tiefgang ist es richtig – auch wenn das Musical selbst für eine Disney-Produktion extrem flach ist. Wer ein gutes Musical sehen möchte, sollte die Finger davon lassen!

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