Hamburger Kammerspiele – Ziemlich beste Freunde

Am 24. Januar 2016 besuchte ich mit zwei Freundinnen die sehr erfolgreich laufende Inszenierung von „Ziemlich beste Freunde“ in den Hamburger Kammerspielen. Meine Begleiterinnen haben den von der Kritik hoch gelobten Film bereits gesehen und wussten daher was sie erwartet. Ich dagegen hatte nur Kenntnis von der Existenz des Films und eine grobe Ahnung über seinen Inhalt. Es war auch mein Ziel möglichst unvoreingenommen ins Theater zu gehen, weswegen ich mir die Filmvorlage nicht noch vorher angesehen habe. Hätte ich es getan, wäre ich noch enttäuschter gewesen.

Die Geschichte des Stückes ist schnell erzählt: Philippe ist vom Hals abwärts gelähmt und somit auf Pflege angewiesen. Während einer Runde von Vorstellungsgesprächen für den Posten des Pflegers taucht unter anderem auch Driss auf, der allerdings nur eine Unterschrift für das Arbeitsamt will, damit er Arbeitslosenunterstützung erhält. Philippe gefällt das Auftreten des ungestümen, vorbestraften Driss und stellt ihn halb gegen dessen Willen als Pfleger ein. Natürlich finden beide in einer ehrlichen und unkomplizierten Freundschaft zusammen und werden zu einem gut funktionierenden Team.

Eine rührende Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Es liegt also eine gute Vorlage vor, die fast schon wie für das Theater gemacht wirkt. Leider wirkte die Inszenierung aber etwas ungelenk. Anstatt eine stringente Geschichte auf die Bühne zu bringen, werden dem Zuschauer nur kurze Episoden aus dem Leben der beiden gezeigt. Diese enden immer genau in dem Moment, in dem der Zuschauer anfängt mitzufühlen und das Erzählte interessant wird.

Was mich persönlich bei der Inszenierung störte, waren die Pointen am Ende jeder einzelnen Szene. Das Publikum nahm diese Art Sketch-Show positiv auf, aber es blieb letztendlich der Beigeschmack, dass dieser Umgang mit dem Stoff nicht dem Inhalt gerecht wird. Die Inszenierung schnürte somit dem Inhalt ein Korsett, das ihm nicht gut zu Gesicht stand.

Auch die Hintergrundgeschichte von Driss wurde nur spärlich in Form von vereinzelten Telefonaten thematisiert. Diese hatten allerdings zu wenig Gewicht, als dass sie der Figur des Driss wirklich Tiefe geben konnten. Sie deuteten die familiären Missverhältnisse nur an, waren aber immer zu kurz um dem unwissenden Zuhörer Informationen zu eröffnen, die ihm Driss als Person näher brächten.

Die Schauspieler stellten dagegen eine bemerkenswerte Leistung auf die Bühne. Patrick Abozen bekam nicht zu Unrecht den Rolf Mares Preis 2014 in der Kategorie „Herausragende Leistung Darsteller“ für die Rolle Driss. Er spielte ohne aufgesetzte einstudierte Gesten und mit sehr viel Spaß an seinem Part. Sein Gegenspieler in der Rolle des Philippe war Hardy Krüger Jr., der mit unglaublicher Körperbeherrschung überzeugte. Man glaubt fast an eine Wunderheilung, als er beim Schlussapplaus die Bühne betrat.

Alles in Allem war es ein netter Abend, aber überzeugend war er leider nicht!

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