Bar jeder Vernunft: La Cage aux Folles

So viele phallische Anspielungen und Penisse habe ich noch nie auf einer Bühne gesehen. Aber macht ja nix! 😉

Zur Geschichte:

„Eine große Liebesgeschichte wird auf eine noch größere Probe gestellt: Als der Ziehsohn der beiden Lebensgefährten George und Albin heiraten will, gerät die Patchworkfamilie des Nachtclubbesitzers und seines Travestiestars in eine ernsthafte Krise. Albin, der allabendlich als Zaza auf der Bühne glänzt und auch daheim als Dame, Diva und Mutter seine Frau steht, soll vor den zukünftigen Schwiegereltern verheimlicht werden …“ (Quelle: Flyer zu „La Cage aux Folles“ in der Bar jeder Vernunft)

Mehr möchte ich auch gar nicht erzählen. Wahrscheinlich kennen viele die Geschichte schon recht gut, da sie doch in verschiedenen Konstellationen schon oft verfilmt wurde. Dem, der die Filme aber noch nicht gesehen hat, möchte ich nur noch so viel verraten: „La Cage aux Folles“ (oder zu Deutsch: „Ein Käfig voller Narren“) ist eine einzige Hymne für die Toleranz gegenüber individueller Lebensentwürfe. Das Musical zeigt auf wie normal und für jedermann nachvollziehbar die Gefühle von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen sind. Wir wollen alle das selbe: Einen Platz im Leben, wo wir sein können wer wir sind und einen Menschen, die uns so akzeptieren wie wir sind.

Die Besetzung aller schwulen Figuren ist exzellent. Peter Rühring spielt den Nachtclubbesitzer Georges und dessen innere Zerrissenheit durch die Liebe zu seinem Partner Albin und seinem Sohn Jean-Michel sehr überzeugend. Man möchte ihn manchmal in den Arm nehmen und ihm zuflüstern, dass bald alles vorüber ist. Seine bessere Hälfte Albin, sein Star Zaza wird von Hannes Fischer verkörpert, der die überdramatische Königin des „La Cage aux Folles“ mit viel Liebe zum Leben erweckt. Es macht Spaß diese beiden Künstlern bei ihrer Arbeit zu beobachten. Jeder noch so kleine Wortfetzen der beiden kommt so authentisch, als ob es kein einstudierter Text wäre, sondern es aus ihnen selbst entspringt.

„Les Cagelles“, die „Tänzerinnen“ des Nachtclubs, wurden von Laurant N`Diaye, John Baldoz, Vanni Viscusi und Ben Cox gespielt. Jeder lustiger, begabter und auf einer gewissen Art erotischer als der andere. Letztendlich gibt es bei den schwulen Rollen noch den Butler Jacob, gespielt von Fausto Israel. Eine Figur, die mich bei den Filmen immer genervt hat. Hier wurde Jacob zwar schrill, aber dennoch liebevoll auf die Bühne gebracht. Das verlangt höchste Anerkennung.

Die restliche Besetzung dagegen schwächelte. Ihre Texte hörten sich aufgesagt an und ihr Spiel wirkte gegen das sonstige Ensemble hölzern. Musikalisch begleitet wurde das Musical von „Jolly Joe´s Banggang“ unter der Leitung von Johannes Roloff, der auch schon für die Musik in „Das weiße Rössl am Wolfgangsee“ am selben Haus zuständig war.

Die „Bar jeder Vernunft“ bietet neben der guten Unterhaltung auch eine kulinarische Verköstigung vom Feinsten. Ich aß gebratene Maispoulardenbrust mit Gerstenrisotto an Salat von Apfel und Urkarotte und trank einen Sancerre Blanc Cuvée Les Caillottes des Weinguts von Jean-Max Roger aus dem Jahr 2012. Ich war danach sehr glücklich und zufrieden.

 

Der Abend in der „Bar jeder Vernunft“ hat mir sehr viel Spaß gebracht und ich werde bei meinem nächsten Aufenthalt in Berlin definitiv wieder kommen.

flowsinn

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