CD: Chris Thile – Bach. Sonatas & Partitas Vol.1

Chris Thile ist gegenwärtig einer der größten Mandolinisten der USA und legte 2013 seine Einspielung der ersten drei von den sechs Solos für Violine BWV 1001-1003 von Johann Sebastian Bach auf der Mandoline vor. Doch zur Einspielung selbst komme ich später. Schauen wir uns vorerst das Erscheinungsbild der CD an.

Dieses kommt sehr erfrischend daher. Endlich verzichtet einer darauf bei einer Bach-Aufnahme die gängigen Klischees für die Cover-Gestaltung zu nutzen. Endlich nutzt einer nicht das übliche Bach-Portrait, lässt sich Monochrom vor barocken Bauten ablichten oder nimmt Gemälde von Künstlern aus dieser Epoche. Thiles Cover erinnert eher an die Collage eines Popart-Künstlers und stammt von Oliver Jeffers. Ein farbenfrohes Cover, das Aufmerksamkeit erregt.

Nimmt man sich das Booklet heraus, findet man ein Künstlerportrait von Chris Thile mit Mandoline in einem Brunnen stehend und Bilder, die offensichtlich während der Aufnahmen entstanden. Neben den üblichen Informationen zur Produktion wurde ein Text von Jeremy Denk über die eingespielte Musik abgedruckt. Ein paar Passagen daraus möchte ich gerne unkommentiert zitieren:

„Bach is not generally an impossible composer. That´s Beethoven´s turf. Beethoven loves to write against the grain of the instrument, to treat the performer like an adversary, to put in roadblocks. Bach prefers autobahns to obstacle courses; he makes great demands, but he´s not after struggle.”

Und über die sechs Solos selbst schreibt er:

„With all the voices held in one voice, you get a kind of ‚music of implication.‘ One note must often stand in for others that have gone missing, notes which exist only in the mind.”

“Playing these violin works on mandolin is not trickery or deception, of course; it is more like transformation, or translation.”

Ein Text, der mehr als nur lesenswert ist. Er bringt verschiedene Erkenntnisse über die Sonaten und Partiten in kurzen und prägnanten Worten auf den Punkt.

Nun zur Aufnahme selbst:

Chris Thile stellt mit dieser CD klar, dass er ein Meister der Mandoline ist. Seine Geläufigkeit über lange Passagen und seine Reinheit im Greifen der oftmals komplizierten Akkorde ist beeindruckend und dient zu Recht vielen Mandolinisten als Vorbild. Es macht Spaß zu hören mit welcher Leichtigkeit er es schafft Bachs Komposition zum Klingen zu bringen.

Seine Klangästhetik steht ihm meiner Meinung nach ein wenig im Weg. Er nutzt das komplette klangliche Potenzial seines Instruments nicht aus. Ich für meinen Teil wünschte mir mehr Tiefe im Ton, was seiner Darbietung mehr Standfestigkeit verschaffen würde. Man bekommt beim Hören das Gefühl, dass jeder Windhauch die Musik unwiederbringlich mit sich fort tragen würde. Dies hat auch seine Qualitäten! Man hält still um dieses zarte Pflänzchen nicht zu stören. Doch ein wirklich entspanntes Zuhören gewährleistet sein Ton nicht.

Des Weiteren fehlt der Einspielung manchmal ein wenig an Agogik und damit auch ein wenig an Leben. Man bekommt streckenweise sogar das Gefühl, dass neben Thile ein Metronom lief und gerade in langsamen Sätze wäre eine gewisse Freiheit im Umgang mit dem Tempo angebracht.

Trotzdem ist es eine CD, die ich jedem Bach-Fan, jedem Mandolinen-Fan und allen, die die Kombination Bach und Mandoline für nicht machbar halten, wärmsten ans Herz lege. Es lohnt sich absolut diesem Prachtstück einen Platz im CD-Regal zu reservieren.

flowsinn


Bach: Sonatas and Partitas, Vol. 1

  • Sonata No. 1 in G minor, BWV 1001
  • Partita No. 1 in B minor, BWV 1002
  • Sonata No. 2 in A minor, BWV 1003

Chris Thile, mandolin

Produced by Edgar Meyer

Engineered by Richard King

Nonesuch 7559-79586-4

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