Theater am Kurfürstendamm: Eine Familie

… oder wie mein Eindruck war: Schauspielerinnen, die den männlichen Teil des Ensembles völlig an die Wand spielen!

Zur Geschichte:

„Auslöser für die Zusammenkunft der Westons ist das Verschwinden des Oberhaupts. Beverly, pensionierter Professor, gescheiterter Dichter und überzeugter Trinker, lässt seine Frau Violet ohne Nachricht in der Obhut einer neu engagierten Haushaltshilfe zurück. Aus allen Teilen des Landes reist daraufhin die Verwandtschaft an, um der Mutter beizustehen. Es versammeln sich die drei erwachsenen Töchter nebst Anhang, dazu Violets Schwester mit Mann und Sohn. Unter der verbalen Terrorherrschaft der tablettensüchtigen Matriarchin gerät das Treffen zum giftig-komischen Psychokrieg der Generationen, in dem Lebenslügen kollabieren und Geheimnisse platzen.“ (Quelle: Flyer des Theaters am Kurfürstendamm)

Soweit so gut! Das Stück an sich, das meisterhaft von Anna Opel ins Deutsche übersetzt wurde, ist bereits ein Meisterwerk. Es ist kein Wunder, dass es mit einem Tony-Award (Best Play) und einem Pulitzer-Preis geadelt wurde. Des Weiteren lässt Annette Frier durch ihre unfassbare schauspielerische Leistung Barbara, die Lieblingstochter des Hauses, nicht nur lebendig, sondern wahrhaftig  werden und wird nur von der bewundernswerten Ursula Karusseit als Mutter Violet übertroffen. Sie spielt die tablettensüchtige, wahnsinnige Mutter, die durch ihre Selbstsucht und ihr loses Mundwerk ihre Töchter zu Grunde richtet, mit einer Virtuosität, die den Zuschauer in pures Staunen versetzt.

Das weibliche Ensemble, weiterhin bestehend aus Friederike Kempter, Eva Löbau, Marion Breckwoldt, Amelie Plaas-Link und Eva Bay, lässt die Männer auf der Bühne dagegen eher blass aussehen, wobei dies wohl auch den Rollen verschuldet ist. Der einzige, der an die Leistungen der Damen anknüpfen konnte, war Felix von Manteuffel, den man in einer Doppelrolle als Beverly, den bald verschwindenden Patriarchen, und Charles, den liebevollen Onkel, erlebt.

Es ist ein extrem empfehlenswertes Theatererlebnis und ich hoffe sehr, dass „Eine Familie“ – oder wie es im Original heißt „August: Osage County“ – seinen weg auf viele Bühnen Deutschlands findet.

Ein sehr gelungener Auftakt meiner Theatertage in Berlin! 🙂

flowsinn

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